ISO 9001:2026 in der Praxis: Wenn KI, Ethik und Führung zum Audit-Thema werden
Mit viel Erfahrung, konkreten Gedanken aus dem Auditalltag und einer guten Portion Humor haben Andreas Altena und Alexander Glöckner über verschiedene Themen bei „ISO 9001:2026 – Die nächste Generation“ (eine Veranstaltungsreihe von DIN Media) diskutiert: von strategischer Ausrichtung und Führung über ethisches Verhalten bis hin zum Einsatz von künstlicher Intelligenz.

Ethik, Führung und KI fordern das Qualitätsmanagement heraus
Zwei erfahrene Auditoren, ein Kaffee und eine provokante Frage: Wie stellt eine Organisation sicher, dass KI nicht nur effizient, sondern auch verantwortungsvoll eingesetzt wird?
Die Diskussion um die Revision der ISO 9001 zeigt eines sehr deutlich: Qualitätsmanagement entwickelt sich weiter. Strategische Ausrichtung, Führung und Unternehmenskultur rücken stärker in den Mittelpunkt. Gleichzeitig verändern neue Technologien wie künstliche Intelligenz die Art und Weise, wie Prozesse gestaltet und Ressourcen eingesetzt werden. Doch was bedeutet das in der Praxis?
Genau darüber diskutierten Alexander Glöckner und Andreas Altena – zwei erfahrene Zertifizierungsauditoren, bei der Veranstaltungsreihe „ISO 9001: 2026 – Die nächste Generation (Online)“ von DIN Media.
Was zunächst wie ein lockerer Austausch beginnt, entwickelt sich schnell zu einer grundsätzlichen Diskussion über die Frage, wie der Einsatz von KI und ethisches Verhalten zusammenpasst und auditiert werden kann.
Der Code of Conduct allein reicht nicht
Alexander eröffnete die Diskussion provokant: „Ich frage nach einem Code of Conduct, schaue mir die Versionsnummer an und wenn das Dokument älter als ein Jahr ist, schreibe ich eine Abweichung. Mehr wäre das doch eigentlich nicht, oder?“
Denn genau hier beginnt eine zentrale Unterscheidung: Moral und Ethik sind nicht dasselbe. Ein Code of Conduct kann Regeln, Werte und Verhaltensgrundsätze eines Unternehmens festlegen. Er beschreibt damit gewissermaßen die Leitplanken. Ethik geht jedoch einen Schritt weiter. Sie beschäftigt sich mit der Reflexion dieser Werte und ihrer konkreten Bedeutung für das Handeln.
Und damit verändert sich auch die Perspektive des Auditors. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr lediglich „Gibt es einen Code of Conduct?“, sondern vielmehr: „Wie zeigt sich das, was dort steht, im tatsächlichen Verhalten der Organisation?“
Und damit sind Alexander und Andreas sehr schnell bei einem bekannten Problem vieler Managementsysteme: Dokumente können hervorragend formuliert sein und trotzdem kaum Einfluss auf den Arbeitsalltag haben. Eine Qualitätspolitik kann professionell aussehen. Ein Code of Conduct kann modern und werteorientiert formuliert sein. Unternehmenswerte können auf der Website prominent platziert sein.
Aber was passiert, wenn im Tagesgeschäft Fehler auftreten? Wie reagieren Führungskräfte auf schlechte Nachrichten? Was passiert, wenn wirtschaftlicher Druck und ethische Anforderungen miteinander kollidieren? Und wie wird entschieden, wenn eine schnelle Lösung zwar effizient, aber nicht unbedingt verantwortungsvoll ist?
Genau hier wird aus einer dokumentierten Vorgabe eine gelebte Kultur. Alexander brachte es sinngemäß auf den Punkt: Der eigentliche Mehrwert entsteht erst durch die Verbindung zwischen den individuellen Gegebenheiten einer Organisation und deren tatsächlicher Umsetzung.
Ein Audit darf unbequem sein
Vielleicht liegt genau darin auch eine der spannendsten Entwicklungen für Auditoren in Bezug auf KI und ethisches Verhalten. Der Auditor der Zukunft braucht nicht zwangsläufig mehr Checklisten. Er braucht vor allem die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und die richtigen Fragen zu stellen.
Nicht: „Haben Sie einen Code of Conduct?“
Sondern: „Wie zeigt sich dieser Anspruch in Ihrem Arbeitsalltag?“
Nicht: „Setzen Sie KI ein?“
Sondern: „Wie stellen Sie sicher, dass der Einsatz von KI zur Erreichung der erwarteten Prozessergebnisse beiträgt?“
Nicht: „Haben Sie eine Schulung durchgeführt?“
Sondern: „Woran erkennen Sie, dass die Mitarbeitenden tatsächlich kompetent mit der neuen Technologie umgehen können?“
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft in diesem Webinar gewesen: Ein gutes Audit findet nicht nur Abweichungen. Es macht Zusammenhänge sichtbar.
Eine hitzige Diskussion entwickelte sich mit dem Fazit, dass ein Auditor nicht beurteilen muss, ob eine KI „gut“ oder „schlecht“ ist. Entscheidend ist vielmehr, wie die Organisation mit der Technologie umgeht.
Fazit des Webinars: Neue ISO 9001 – ein Blick hinter die Audit-Kulissen
Andreas und Alexanders Webinar war bewusst anders. Kein klassischer Vortrag, sondern ein angeregtes Fachgespräch unter erfahrenen Auditoren. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie würden wir die neue ISO 9001 tatsächlich auditieren? Was steckt hinter den Anforderungen – gerade in Hinblick auf KI und ethisches Verhalten.
Dabei ging es nicht darum, fertige Checklisten zu präsentieren. Vielmehr wollten sie zeigen, wie man Anforderungen hinterfragt, Zusammenhänge erkennt und mit den richtigen Fragen tiefer in eine Organisation eintaucht. Denn genau davon können nicht nur Auditorinnen und Auditoren profitieren. Auch die Auditierte Seite kann aus solchen Gedanken viel mitnehmen: Teamleitungen, QMBs, DSBs, ISBs und Geschäftsführungen – letztlich alle, die sich mit Managementsystemen und deren Wirksamkeit beschäftigen.
Der Anspruch war: humorvoll, praxisnah, spannend und durchaus auch einmal mit einem Augenzwinkern.
Und obwohl beide viele Fragen diskutiert haben, bleibt eine besonders wichtige offen: Wie gelingt es einer Organisation, aus Anforderungen tatsächlich gelebte Qualität zu machen?
Vielleicht beginnt die Antwort genau dort, wo Alexander und Andreas ihren Kaffee getrunken haben: Mit einem offenen Gespräch, mit kritischen Fragen, mit der Bereitschaft, vermeintlich Selbstverständliches zu hinterfragen und mit dem Mut, nicht nur zu prüfen, ob etwas dokumentiert ist – sondern ob es wirklich funktioniert.
Denn am Ende geht es beim Qualitätsmanagement nicht darum, ein System für die Norm zu bauen. Es geht darum, ein System zu schaffen, das für die Organisation einen echten Nutzen stiftet.
Und es geht weiter! Der Experten-Talk geht in die dritte Runde.
Wer diesen Experten-Talk verpasst hat oder den Austausch gerne noch einmal erleben möchte, darf sich freuen: Diese Veranstaltung von DIN Media wird bald wiederholt und zwar am 30 November!
Also: Augen offen halten, Termin vormerken und gemeinsam mit uns einen etwas anderen Blick auf die neue ISO 9001 werfen.
Denn manchmal beginnt ein gutes Audit genau mit der Frage, die man sich vorher noch gar nicht gestellt hat.

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