Egal ob Energie, Wasser, Klimawandel oder Abfallberge – Das Thema „Nachhaltigkeit“ ist mittlerweile aufgrund der brisanten Probleme, wegen unseres Umgangs mit Ressourcen und Abfall, allgegenwärtig. Berichterstattung in den Medien über plastikbedeckte Strände und abgeholzte Regenwälder führt dazu, dass zunehmend auch Kunden auf Nachhaltigkeit bedacht sind und diese von ihren Geschäftspartnern fordern. Nachhaltigkeit ist IN, Umweltverschmutzung OUT, weshalb sich damit durchaus werben lässt. Das allein reicht aber nicht. Nachhaltigkeit muss auch fest in alle Unternehmensziele und -prozesse Ihrer Organisation eingebettet sein, um den Anforderungen des Marktes und unserer Umwelt zu entsprechen.

Aktuelle Situation

Gegenwärtig kann sich keine Branche der Auseinandersetzung mit dem Thema entziehen. In der Automobilbranche ist dies beispielsweise besonders bemerkbar. Die Capgemini Studie „The Automotive Industry in the Era of Sustainability” (siehe auch https://www.capgemini.com/wp-content/uploads/2020/03/Sustainability-in-Automotive_V6_Web.pdf) untersuchte Unternehmen aus neun Ländern, von denen 62% angaben, bereits über eine klare Nachhaltigkeitsstrategie zu verfügen, weitere 8% stecken in der Entwicklung. Davon konnte aber nur bei 9% leistungsstarke Nachhaltigkeit als verankert festgestellt werden. Daraus geht deutlich hervor wie groß die Lücke ist.

Das längst veraltete lineare Wirtschaftssystem muss dafür von einer Kreislaufwirtschaft abgelöst werden. Statt ständig mehr Abfall zu produzieren und Rohstoffe zu verbrauchen gilt es nun, Ressourcen so lange wie möglich zu verwenden. Das Recyceln von Industrieabfällen und Schrott derweil am weitesten verbreitet. Deutlich geringer ist hingegen die Initiative für die Wiederverwendung alter Komponenten. Zirkularität bedeutet jedoch gebrauchte Produkte und Materialien zu reparieren, aufzubereiten und erneut zu nutzen. So landet schließlich nur eine geringe Menge Restabfall auf dem Müllberg, während der Großteil im Kreislauf verbleibt und weiterhin Wertschöpfung generiert.

Doch wie ist das zu erreichen?

Der Forderung nach mehr Nachhaltigkeit nachzukommen, ist auf Unternehmensebene zweifellos eine Herausforderung. Kostenaufwendige und innovative Schaffung von unternehmenseigenen Nachhaltigkeitskonzepten, beispielsweise im Supply Chain Management, sind unvermeidlich um internationale Nachhaltigkeitsziele wie das Pariser Klimaabkommen oder den Green Deal zu erreichen.

Diese stecken aber nur den Rahmen für die Mindestmaßnahmen der Legal Compliance ab. Um sich auch einen Wettbewerbsvorteil sichern zu können, sind weitere Investitionen in Forschung und innovative Entwicklung von nachhaltigen Produkten sowie Umstellung auf nachhaltigere Technologien (bspw. Nutzung erneuerbarer Energien) notwendig.

Hierfür müssen jedoch einige Bedingungen erfüllt werden:

  1. Führungsebene: Um tatsächlich effektiv umsetzbar zu sein, muss die Bemühung um Nachhaltigkeit fest in alle Bereiche und Prozesse integriert werden. Das kann nur gelingen, wenn die Führungsebene aktiv dahintersteht und dies konstruktiv fördert. Dafür ist ein explizit hierfür zuständiges Gremium zu empfehlen, sodass Nachhaltigkeit von weiteren wirtschaftlichen Zielen nicht verdrängt wird.
  2. Strategie: Unternehmensstrategie und Entwicklungsprozesse sollten von Anfang an auf Nachhaltigkeit ausgelegt sein. Das gilt für die materielle Konzeption eines neuen Produktes ebenso wie für die Verwendung von nachhaltigen Ressourcen und Lieferketten. So können innovative Produkte entwickelt werden, die die Anforderungen des Marktes nicht nur erfüllen, sondern übertreffen.
  3. Dokumentation und Transparenz: Zeigen und dokumentieren Sie diese Strategie und Ihre Nachhaltigkeitsziele mit vergleichbaren Daten und Kennzahlen, um die erzielten Ergebnisse und Fortschritte festzuhalten, die auch für Kunden und Stakeholder ersichtlich und überzeugend sind.

Fazit

Aufgrund der ökologischen und sozialen Probleme unserer Welt und den damit verbundenen rechtlichen und gesellschaftlichen Erwartungen, ist Nachhaltigkeit zum Qualitätsmerkmal von Konzernen und Produkten geworden. Da sie aber langfristig Stabilität und Ressourceneffizienz, sowie zukunftsweisende Innovation und Wachstum garantiert, profitieren Gesellschaft, Umwelt und Unternehmen gleichermaßen von nachhaltiger Wirtschaft. Nur durch flächendeckendes Bewusstsein wird es aufgrund der v.a. in Krisenzeiten sichtbaren, starken Vernetzung und Interdependenzen, unseres Weltwirtschaftssystems, möglich sein, Zirkularität zu erreichen und somit langfristig nachhaltig zu wirtschaften.

Bildnachweis: (C) Nico Wall, CC0 v1.0, Pixabay