Autonomes Fahren – die Idee

Überall in den Medien erscheinen heutzutage Meldungen, die eine neue Idee skizzieren:  „Ich muss nicht mehr selber fahren!“.

Die Zukunft der autonomen Fahrzeuge steht ummittelbar bevor! Eine gute Idee? Es klingt verführerisch: der Fahrer könnte sich angenehmen Dingen widmen, ja er müßte nicht mal mehr fahrtüchtig sein.

Ohne Zweifel würde ein autonomes Fahrzeug vielen Menschen ermöglichen, am Individualverkehr teilzunehmen und das unabhängig von der Frage, ob sie ein Fahrzeug zu führen überhaupt in der Lage wären. Alte Menschen, Menschen mit zeitweiser oder dauerhafter Behinderung könnten sich dadurch von Ihrer Haustüre weg zu jeden Ort begeben, den sie wünschen.  Die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und an Kultur, ein Besuch im Theater, ein notwendiger, regelmäßiger Arztbesuch, all das wäre kaum noch abhängig von dem gesundheitlichen Zustand des Menschen oder seiner Befähigung.

Aber auch wenn sie selbst fahren könnten, hätten die Menschen einen grossen Nutzen. Die täglich Wege zur Arbeit, die für manchen eine lange Autofahrt bedeuten, mit Anspannung, Staus und dem täglichen Kampf auf der Autobahn, könnte zu einer produktiven oder erholsamen Zeit werden. Im Internet zu verweilen oder einfach nur etwas Schlaf nachzuholen wäre möglich. Wunderbar! Die Last des Pendelns bekommt plötzlich Lebensqualität.

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Die Chance von mehr Freiheit beim Fahren

Wir halten fest: die Idee ist also, dem Menschen Zeit, Freiheit und Teilnahme zu geben oder wiederzugeben.

Nun ist dieser Idee auch eine kommerzielle Seite inne. Taxidienste bräuchten keine Kosten mehr für Fahrer kalkulieren, Logistikunternehmen könnten Auslieferungseinheiten bauen und betreiben, die weder auf die Bedürfnisse des Fahrers noch auf Arbeitszeitregelungen Rücksicht nehmen müssten. Die Idee ist hier,  Logistikunternehmen zu einem allzeit-verfügbar Projekt zu entwicklen,  bei drastisch reduzierten Personalkosten.

Aber autonomes Autos könnten an ganz anderen Stellen die Welt verändern: wer sagt denn, dass Automaten nur so fahren müssen wie bisher die Menschen? Könnten sie nicht schneller sein, Staus vermeiden, in dem sie z.B. kooperieren, die Strassen besser ausnutzen, optimal im Sinne des Energieverbrauchs fahren? Ein Schwarm von autonomen Fahrzeugen, die einen stets optimalen und optimierenden Verkehrsstrom bilden ist die Vision. Dahinter steht der Gedanke, eine Antwort auf die immer drängenderen Probleme des Individualverkehrs zu finden: der Mensch stört, sein individuelles Verhalten macht es schwer, das rationale Optimum von Verkehrsflüssen zu erreichen.

Der Traum von Effizienz im Individualverkehr

Damit ist die Idee beschrieben, Verkehrs- und Güterflüsse kostensparend und effizient einrichten zu können, in dem der individuelle Mensch von dieser Aufgabe befreit wird.

Jede Idee bietet nun neben Chancen auch Risiken, das wird mit dem autonomen Fahren nicht anders sein. Diese hängen davon ab, was eigentlich „autonom“ bedeutet, also wie der Fahrer und seine Umgebung Mobilität mit autonomen Fahrzeugen erlebt. Hierzu gibt es verschiedene Klassifikationen, die in einem späteren Beitrag beleuchtet werden sollen. Für die hier entwickelten Gedanken soll es zunächst genügen modellhaft anzunehmen, dass im autonomen Fahrzeug der Fahrer nur noch Passagier ist, und nicht die Notwendigkeit, evtl. gar nicht die Möglichkeit hat, in das Fahrmanöver einzugreifen.

Schauen wir auf mögliche negativen Folgen dieser Visionen. Dazu muß man sich bewußt machen, dass in der Konsequenz  das Auto, und damit ein Automat, zum handelnden Entscheider wird. Gerade zu Beginn des autonomen Zeitalters werden diese Automaten mit Fahrradfahrern, Fußgänger, vom Menschen gefahrenen Fahrzeuge  im Strassenverkehr interagieren. Die autonomen Fahrzeuge müssen sich also in einem von menschlichem Verhalten geprägten Umfeld bewegen, mit Fehlverhalten und menschlichem Versagen umzugehen wissen.

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Macht nur der Mensch Fehler?

Es entspricht dem aktuellen Zeitgeist, den Mensch als Fehlerbehaftet oder unzuverlässig einzustufen.
In vielen Branchen sorgt das Schlagwort KI für Bewegung. Einer sogenannten Künstlichen Intelligenz wird zugetraut, Entscheidungen zu fällen, Handlungen zu initiieren und damit in Domänen einzudringen, die bisherigen Computerprogrammen verwehrt waren. Soziale Netze, Medizintechnik oder Überwachungstechnologie sind Beispiele, die KI einsetzen oder daran forschen. Befürworter sprechen von „Unterstützung“ des Menschen, Kritiker sprechen von „Ersatz“.

Kurz und prägnant sprechen wir hier von der Idee, der Automat könnte der bessere Mensch (für bestimmte Aufgaben) sein, damit der Mensch menschlicheren Dingen nachgehen kann.

Wie auch immer man es sehen mag,  dies ergibt  Handlungsbedarf für Juristen: bisher konnten die Gesetzgeber davon ausgehen, dass Menschen untereinander agieren und handeln. Jetzt könnten das auch Automaten sein. Passen da die Gesetze noch? Vielleicht gehen wir ein hohes Risiko ein, wenn wir ohne speziellen Vorkehrungen an Technik, Infrastruktur, Gesetz und auch Gesellschaft so tun, als könne man den Menschen „einfach so“ zumindest teilweise ersetzen. Wo fängt „ersetzen“ überhaupt an?

Neben der technischen Herausforderung vermag auch Niemand heute zu sagen, wie Menschen auf autonome Maschinen reagieren werden. Es gibt Untersuchungen, die sowohl ein übergrosses Vertrauen in die Technik, also auch eine stark ablehnende Haltung belegen. Die Einführung von autonomen Fahrzeugen muss also mit Bedacht erfolgen, will man Technik und Gesellschaft nicht dem Risiko der Überforderung aussetzen.

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Apropos Technik

Technik hat Fehler, und so ist es doch auch vorstellbar, dass autonome Autos im Strassenverkehr Menschen gefährden. Einige Meinungen halten dagegen, dass der Mensch der Unsicherheitsfaktor Nummer 1 ist, und daher die Maschinen letztlich die Unfalltotenzahlen weiter reduzieren helfen. In jedem Fall wird man sehr sorgfältig mit den Sicherheitsaspekten des autonomen Fahrens umgehen müssen, damit die Chance nicht zur Gefahr mutiert.  Und dann ist da noch die Softwarelastigkeit. Autonome Autos werden sehr viel Software brauchen, und es wird auch immer diskutiert, dass diese Autos sowohl untereinander, als auch mit ihrer Umgebung kommunizieren. Dies macht sie angreifbar für Hacker und manipulierende Kräfte. Das Thema Informationssicherheit gewinnt in diesem Kontext enorm an Bedeutung. So wäre es wichtig an der Idee festzuhalten, dass der Mensch nicht von einer Technik abhängig wird (und zwar auch nach Leib und Leben), die von anderen Menschen manipuliert oder zumindest fehlerhaft hergestellt werden kann.

Dies sicherzustellen erfordert mehr als nur technische und sicherheitstechnische Überlegungen, gesellschaftliche und juristische Aspekte erfordern gleichermaßen sorgfältige Beachtung. Dann und nur dann wird es möglich sein, die Risiken zu minimieren und die Chancen, die in den hier beschriebenen Ideen liegen maximal zu nutzen.

 

 

Artikelbilder:

Strassenverkehr: https://pixabay.com/de/licht-verkehr-shenzhen-nacht-391221/

Schlafender Fahrer: https://pixabay.com/de/junge-m%C3%A4nnlich-mann-jung-schlafen-828850/

Blaues Schloss: https://pixabay.com/de/bin%C3%A4r-schlo%C3%9F-schutz-sicherheit-1538721/