Wissensbilanz – messen, bewerten & optimieren

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Wissensbilanz – messen, bewerten & optimieren

Wie soll man denn Wissen bilanzieren?

Vor kurzen erzählte mir ein Geschäftsleitungsmitglied eines Unternehmens mit mehreren hundert Mitarbeitern, dass sie viele Mitarbeiter haben, die Ende Fünfzig seien und auch sehr viel junge Mitarbeiter unter 30 Jahre. Daraufhin folgt sogleich die Antwort auf meine nicht gestellte Frage: dass es den älteren Kollegen überlasse sei, ihr Wissen an die jüngeren Kollegen weiterzugeben.
Reicht es aus, das intuitiv und situativ machen zu lassen? Kann ich mich als Unternehmer und Geschäftsführer darauf verlassen, dass das in meinem Sinne ist? Wird genau jenes Know-How, das ich für den Unternehmenserfolg brauche, gefördert? Kann das eine langfristige bzw. strategische Lösung sein?

Wir stellen Ihnen in diesem Artikel vor, dass eine Wissensbilanzierung eine praktikable Lösung für diese Fragestellungen sein kann.

Wer profitiert von der Wissensbilanzierung?

Gründe für eine Wissensbilanz

  • Diverse kleine mittelständische Unternehmen (KMU) kämpfen heute damit, geeignete Mitarbeiter für ihr Unternehmen zu bekommen bzw. zu halten. Da kommen schnell Fragen zu Karrierepfad und Weiterqualifizierung auf. Wo große Unternehmen ganz Abteilungen mit den Themen Personalführung, Wissensmanagement, Personalentwicklung, etc. beschäftigen, haben die kleineren Unternehmen meistens nur 1-3 Personen für die Vielzahl an Aufgaben aus dem Bereich Personalmanagement. Hier bietet die Wissensbilanzierung enormen Support.
  • Die Verbesserung der Kommunikation zwischen dem Unternehmen und seinem Geschäftsumfeld (Stakeholder) spielt eine wichtige Rolle. Zum Beispiel bei der Beschaffung von Fremdkapital bietet die Wissensbilanz eine gute Möglichkeit. Damit hat Ihr Unternehmen die Chance, besser auf die Informationsbedürfnisse der Stakeholder einzugehen. Jedoch besteht die Gefahr, dass aus der Wissensbilanz ein Marketinginstrument wird und Wunschdenken anstatt Realität dargestellt wird.
  • Einer der größten Nutzenaspekte der Wissensbilanz ist die Fokussierung auf den Kunden und das Wissen um dessen Bedürfnisse. Denn das erlaubt eine bessere Ausrichtung auf die eigene Wertschöpfung. Das hat zwangsläufig zur Folge, dass Sie eine ganzheitliche Sicht auf Ihr Unternehmen und dessen Zusammenhänge zwischen Mitarbeitern, Strukturen, Beziehungen und letztlich dem Geschäftserfolg einnehmen. Auswirkungen einzelner Einflussfaktoren werden deutlich und zeigen, welche Verbesserungen und Aktivitäten erforderlich sind.
  • Der Prozess zur Erstellung einer Wissensbilanz trägt zu einem besseren Verständnis, wie das Unternehmen funktioniert, bei. Denn um Missverständnis zu vermeiden bzw. auszuräumen gilt es, eine sogenannte Begriffshygiene einzuführen. Unter Begriffshygiene verstehe ich eine Klarstellung, was unter welchem Begriff verstanden wird.
  • Bei diesem Vorgehen werden etablierte Abläufe hinterfragt und Sie leisten einen wichtigen Beitrag für die Prozessgestaltung und -verbesserung. Gelingt es hierbei, offen und ehrlich über Stärken und Schwächen zu sprechen, bietet das nicht nur Chancen für mehr Transparenz und Vertrauen im Unternehmen, sondern ist auch ein aktiver und effizienter Betrag zum Umgang mit Risiken.
  • Sie erfüllen rechtliche und normative Anforderungen und steuern systematisch ihr Unternehmen mit dem dafür erforderlichen Wissen, welches sie bereithalten und anwenden. Zum Beispiel für all diejenigen, die ein QM-System nach ISO 9001:2015 betreiben, ist dies eine Lösung, die Anforderungen aus den Normkapiteln 7.1.6., 7.2., 7.3. etc. zu erfüllen.

Wer ist an der Wissensbilanz interessiert?

An erster Stelle steht die Geschäftsleitung bzw. der Unternehmer. Sein oberstes Interesse besteht darin zu erfahren, was sein Unternehmen leisten kann. Gleich danach haben Führungskräfte, wie zum Beispiel Abteilungsleiter, Teamleiter, ja sogar Projektmanager, den Bedarf zu wissen, welche Fähigkeiten, Wissen und Erfahrungen ihre Abteilungen und Teams haben. Denn sie sind für die Leistungserfüllung zuständig. Folglich sollten sie wissen, welche Einflussfaktoren Effizienz und Effektivität der Leistungserstellung beeinflussen.
Selbstverständlich möchten auch Mitarbeiter, Kapitalgeber, Aufsichtsbehörden etc. wissen, welches Wissen und Fähigkeiten ein Unternehmen hat, um dessen Leistungsfähigkeit besser einschätzen zu können. Somit haben wir schon ein Gros der sogenannten interessierten Parteien, wie sie die ISO 9001 erwähnt, identifiziert.

Was macht eine Wissensbilanz aus?

Wissen und Kompetenzen erfassen und bewerten

Eine Wissensbilanz ist, im Gegensatz zur klassischen Bilanz, zukunftsorientiert. Bei ihr werden die immateriellen Vermögensgegenstände eines Unternehmens, das sogenannte intellektuelle Kapital, erfasst, gemessen und bewertet.
Dieses Vorgehen dient der Bestandsaufnahme, der internen Kommunikation über das intellektuelle Kapital und der unternehmerischen Entscheidungsfindung. Auf Basis der Unternehmensstrategie wird das intellektuelle Kapital erfasst.
In der Folge wird das intellektuelle Kapital gemessen und bzgl. der strategischen Ziele bewertet. Durch das Aufzeigen von Wechselwirkungen werden die relevanten Aspekte für den Unternehmenserfolg offensichtlich und eine Priorisierung der notwendigen Maßnahmen möglich.

Bei der Wissensbilanz geht es nicht ausschließlich um das Wissen des einzelnen Mitarbeiters, sondern vielmehr um die Fähigkeiten des gesamten Unternehmens. D.h. das Zusammenwirken aller Beteiligten in Form von Arbeitsabläufen, Beziehungen unter den Mitarbeitern und dem Umgang mit Lieferanten und Kunden. Eine Wissensbilanz berücksichtigt alle Faktoren, die zum Erfolg eines Unternehmens beitragen.

Zeitplan für eine Wissensbilanz

Beispielhaftes Vorgehen bei einer Wissensbilanzierung – Projektverlauf

Wissen im Unternehmen bereit halten

Im nächsten Schritt der Wissensbilanzierung ermitteln Sie, wie Ihr Unternehmen erlangtes Wissen bereithält und zusätzliches Wissen generiert.
Bei diesem Teil tun sich diverse Unternehmen (KMU) extrem schwer. Gängige Aussagen sind hier, dass die Personalabteilung schon wisse, welcher Mitarbeiter welche Ausbildung und Qualifikation habe. Die Personalakten geben darüber ausreichend Auskunft. Dann wird mit Werkzeugen wie Intranet, Wikis, Unternehmenszeitung versucht, bereits erlerntes Wissen festzuhalten, zu konservieren. Ja, es gibt noch Unternehmen, die Personalakten in Papierform haben, und selbst jene, die mit einem HR-Tool arbeiten, haben nicht immer alle Qualifikation und Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter erfasst und mit dem Jobprofil in Einklang gebracht. Was ist mit den Fertigkeiten, die ein Mitarbeiter hat, die vom Unternehmen jedoch nicht genutzt werden? An dieser Stelle ergeben sich ein Vielzahl von Fragestellungen und neuen Aufgabenfeldern. Hier greift die Wissensbilanz diese Aspekte auf und überführt sie in den Maßnahmenplan für Verbesserungen.

Prozesse für ein langfristiges Wissensmanagement entwickeln

Wer jetzt schon Schwierigkeiten hatte, wird im folgenden Schritt vor richtige Herausforderungen gestellt. Denn jetzt gilt es, Vorgehensweisen zu definieren und zu leben, wie Wissen im Unternehmen geteilt, angewendet und gelebt wird. Und gerade der Aspekt Wissen, Fähigkeiten und Beziehungsmanagement zu leben ist für manchen eine Herausforderung. Im übrigen ist es nicht damit getan, einen Prozessablauf für das Unternehmensmanagementsystem auf Papier zu malen oder einen Blogeintrag ins Unternehmenswiki zu schreiben.
Hier sind gemeinsam fachbereichsübergreifend Prozesse zu entwickeln – Stichwort kunden- und prozessorientierte Geschäftsabläufe. Idealerweise durch altersübergreifende Teams, die diese im Unternehmen ausrollen und praktizieren.

Wann sollten Sie eine Wissensbilanzierung durchführen?

Für mich als Unternehmer liegt die Antwort klar auf der Hand. Mache eine Wissensbilanz! Als Geschäftsführer muss ich beispielsweise wissen, welche soziale Kompetenzen und Erfahrungen in der Produktentwicklung dafür sorgen, dass mein R&D Team so kreativ ist und genau die Wünsche unserer Kunden trifft. Denken Sie daran, wie es NOKIA mit Mobilfunkgeräten erging.
Ich kann Ihnen daher nur empfehlen, nehmen Sie sich ihre drei wichtigsten Mitstreiter, Beteiligten, Mitarbeiter – nennen Sie sie, wie sie möchten. Bilden Sie ein gemischtes Team aus allen Fachbereichen und allen Hierarchieebenen und starten Sie mit Ihrem Projekt der Wissensbilanzierung.

Fazit

Die Wissensbilanzierung ist genau die Möglichkeit, Soft Skills im Unternehmen zu erfassen und zu bewerten, Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Wissens und Fähigkeiten aller Akteure im Unternehmen abzuleiten und sich für zukünftige Herausforderungen zu wappnen. Denn wer heute schon an morgen denkt, bleibt auch morgen erfolgreich.

Sie möchten mehr darüber erfahren, wie Sie ihre Wissensbilanz erstellen? Dann kontaktieren Sie uns und vereinbaren Sie ein unverbindliches und kostenfreies Gespräch zur ersten Statusanalyse.

 

Literatur: Wissensbilanz – Made in Germany, Leitfaden, Dokumentation Nr. 536, Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, 2. Auflage, Juni 2005

 

By | 2017-07-28T18:24:54+00:00 Januar 18th, 2017|Categories: Qualitätsmanagement|Tags: , , |0 Comments

About the Author:

Alexander Glöckner hat nach einem Wirtschaftsstudium und mehrjähriger Tätigkeit im Key Account Management für einen IT-Dienstleister seine Leidenschaft für das Total Quality Management mit dem Schwerpunkt integrierte Managementsysteme entdeckt. Er war viele Jahre als Leiter Qualitätsmanagement für Qualität, Funktionale Sicherheit, Produktkonformität, Umwelt- und Servicemanagement bei einem Hardware- und Softwarehersteller für sicherheitskritische Systeme der Luftfahrtindustrie/Flugsicherung tätig. Seither befasst er sich intensiv mit der Zusammenführung von Anforderungen aus der Software-Entwicklung, der IT-Sicherheit, der Funktionalen Sicherheit, dem Service Engineering und einem kundenorientierten Beziehungsmanagement in ein praktikables System zum Unternehmensmanagement.

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